Früher modern, heute zeitlos
Die Geschichte eines legendären Duftes
Green Water Vintage von 1993
Vincent Roubert
Green Water Vintage von 1947
Im Jahr 2016 wurde die Marke von der Panouage Group übernommen, mit dem Anspruch, die Vision des Designers Jacques Fath zeitgemäß weiterzuführen. In Zusammenarbeit mit renommierten Parfümeuren wurden die klassischen Kompositionen behutsam überarbeitet und zugleich durch neue Kreationen ergänzt.
Für die Neuinterpretation von GREEN WATER entschied sich die Panouage Group für die Parfümeurin Cécile Zarokian. Ziel war es, die ursprüngliche Identität des Duftes möglichst authentisch zu bewahren – insbesondere die charakteristische hohe Neroli-Konzentration sowie die prägnante Frische der Minze.
Ich war sehr geschmeichelt, als Jacques Fath Parfums mich bat, an diesem Projekt mitzuarbeiten – zugleich jedoch auch respektvoll, denn Green Water ist ein ikonisches Parfum. In den 1950er-Jahren war es ein großer Erfolg, und ich erinnere mich gut daran, es während meines Studiums an der ISIPCA analysiert zu haben.
In enger Zusammenarbeit mit Jacques Fath Parfums und der Osmothèque in Versailles, dem renommierten Parfümarchiv, hatten wir die Gelegenheit, die Originalformulierung von 1946 zu riechen und zu studieren. Jean Kerléo, Gründer der Osmothèque, teilte dabei wertvolle Einblicke in die Geschichte und Komposition des Duftes.
Um die unverwechselbare Frische zu bewahren, arbeitete ich mit hohen Mengen an Neroli und weiteren Schlüsselrohstoffen, um der Originalversion so nahe wie möglich zu kommen.
– Cécile Zarokian
Während die historische Vintage-Formulierung deutlich komplexer aufgebaut war (Quelle: Fragrantica), zeichnet sich die moderne Interpretation durch eine bewusst fokussierte Komposition aus.
Vintage-Komposition
Kopfnote: Limette, grüne Noten, Petitgrain, Basilikum, Zitrone, Bergamotte, Karotte, Mandarine, Kümmel
Herznote: Ingwer, Jasmin, Maiglöckchen
Basisnote: Eichenmoos, Moschus, Amber
Moderne Interpretation
Kopfnote: Neroli, Bergamotte, Mandarine
Herznote: Minze, Basilikum, Estragon
Basisnote: Vetiver, Eichenmoos, Ambergris
Historische Aufnahmen und Archivmaterial zu GREEN WATER
GREEN WATER zeichnet sich durch eine ausgewogene Balance aus zitrischen, grünen und aromatischen Noten aus. Der Duft wirkt klar und erfrischend, zugleich lebendig und präzise komponiert. Bereits in der Kopfnote verbindet die ausgeprägte Präsenz von Neroli zitrische, florale und sanft süße Facetten. In Kombination mit Bergamotte und Mandarine entsteht eine unmittelbare Frische mit heller, offener Ausstrahlung.
Im weiteren Verlauf tritt die Verbindung von Minze und Basilikum deutlicher hervor und verleiht der Komposition eine aromatische Klarheit. Im Drydown entwickelt sich der Duft ruhiger und sinnlicher, wobei Ambergris die Struktur abrundet und für eine anhaltende Präsenz sorgt.
Ein Vergleich mit historischen Fassungen zeigt, dass frühere Versionen von GREEN WATER deutlich kräuterbetonter und insgesamt schwerer angelegt waren. Die moderne Interpretation eröffnet frischer und transparenter, ohne die charakteristischen Rohstoffe aus dem Blick zu verlieren.
Minze und Neroli prägen beide Fassungen in ihrer Grundstruktur. In der zeitgenössischen Neuinterpretation gelingt es jedoch, diesen Rohstoffen eine größere Leichtigkeit und Modernität zu verleihen, während die historische Variante würziger und dichter erscheint.
Mit dieser behutsamen Neuinterpretation wurde eine überzeugende Verbindung zwischen dem Charakter der historischen Komposition und den heutigen Anforderungen an zeitgemäße Parfümeriekunst geschaffen. GREEN WATER gilt als früher Wegbereiter zitrisch geprägter Duftbilder und zeigt bis heute, wie anspruchsvoll Klarheit und Frische in einer Komposition umgesetzt werden können.
Der Duft bewahrt seine ursprüngliche Idee, ohne nostalgisch zu wirken, und behauptet sich als zeitlose Komposition mit klarer Handschrift innerhalb der Duftgeschichte von JACQUES FATH.